Am Freitagnachmittag hatten wir an dieser Stelle noch berichtet, dass Evgeni Malkin gerne mal "Njet" zu den Presseleuten sagt. Am Abend erlebten wir etwas anderes. Ok, fast der gesamte russische Spielertross rollte nach dem 7:3-Sieg im Tempo der Transsibirischen Eisenbahn durch die Mixed Zone, aber die wichtigsten Protagonisten blieben stehen: Das waren Evgeni Malkin und Pavel Datsyuk.
Allerdings gabs nur Interviews für die russische Pressemeute. English? No, äh Njet! Von den russischen Journalisten musste am Freitag extra noch ein Tross direkt aus Moskau eingeflogen worden sein, denn das Pressezentrum war auf einmal gut gefüllt. Die weiblichen Journalisten hatten teilweise sogar die feine Abendgarderobe rausgeholt und markante Düfte aufgelegt. Wir haben die Taktik der Russen jetzt durchschaut: Frauen vor - Malkin bleibt nicht bei jedem stehen.
Das Spiel zuvor und die Sprüche danach entschädigten viele Fans und Journalisten für die bisherige Eishockeymagerkost. Zunächst spielten Franzén, Zetterberg und Alfredsson mit den russischen Verteidigern in Überzahl Katz und Maus, dann kam die große Show von Evgeni Malkin, der deshalb auch nach seinen drei Toren und zwei Assists mit einem Grinsen zu den Journalisten ging.
Mann oder trauriger Held des Abends aber war Johan Franzén, in Detroit auch "The Mule" (Maul- oder Packesel) genannt. Er erzielte das 3:1, kassierte von Alexei Yemelin (erhielt am Samstag ein Spiel Sperre) einen Stockstich in die Familienplanungszone, verursachte zwei Strafen, die zu Gegentoren führten und musste als Höhepunkt von Dimitri Kalinin einen Crosscheck einstecken (Kalinin wurde drei Spiele gesperrt), der das Blut aus nur so aus der Nase spritzen ließ. Coach Pär Marts meinte auf der Pressekonferenz traurig: "Seine Nase sieht nicht gut aus. Sie zeigt nach Osten!"
Michael Bauer