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Artikel vom Donnerstag, 18. Mai 2017

Yannic Seidenberg sorgt für spannende Schlussphase

Teuer verkauft, aber verdient verloren: Nationalmannschaft unterliegt Kanada im WM-Viertelfinale knapp mit 1:2

Enttäuschung bei Patrick Hager, Moritz Müller, Leon Draisaitl sowie Dominik Kahun (von links): Gegen Kanada unterlagen sie am Donnerstagabend mit der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft im WM-Viertelfinale knapp, aber insgesamt hochverdient mit 1:2.
Foto: Hübner

Sie haben sich sehr teuer verkauft, doch letztlich hat es nicht zur Sensation gereicht: Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat ihr Viertelfinalspiel bei der Heim-Weltmeisterschaft in Köln gegen WM-Titelverteidiger Kanada am Donnerstagabend knapp mit 1:2 verloren. Das Team von Bundestrainer Marco Sturm zeigte eine kämpferisch starke Leistung und hielt gegen den klaren Favoriten zumindest im ersten und im dritten Drittel gut dagegen, doch angesichts des großen Chancenübergewichtes der Kanadier war der Sieg für die Ahornblätter insgesamt hochverdient. Für die Mannschaft von Coach Jon Cooper kommt es nun im WM-Halbfinale zum Klassiker gegen Russland, während das Turnier für das deutsche Team also beendet ist.

Vor 16.653 Zuschauern in der erstaunlicherweise nicht ganz ausverkauften Kölner Lanxess Arena waren es wie erwartet die Kanadier, die von Beginn an mehr Spielanteile hatten und in den ersten zehn Spielminuten durch einen Pfostenschuss von Ryan O'Reilly (4.), Sean Couturier nach einem Querpass von Matt Duchene (5.) sowie einen Abfälscher von Kapitän Claude Giroux (8.) gleich mal zu drei hochkarätigen Torchancen kamen. Die deutsche Mannschaft hielt in der Anfangsphase jedoch gerade physisch gut dagegen, attackierte die Kanadier früh und kam so auch selbst zu erstaunlich vielen Torabschlüssen, ohne dabei allerdings allzu zwingend zu werden.

Ab der Mitte des ersten Drittels neutralisierten sich die beiden Teams dann zusehends, ehe sich DEB-Rechtsaußen Patrick Reimer in der 17. Spielminute die erste Strafzeit der Partie leistete. Und diese sollten die Kanadier sofort bestrafen: Nach einem Rückhandpass von O'Reilly setzte Mark Scheifele einen Direktschuss aus kurzer Distanz zum 1:0 für die Ahornblätter in das erneut von Philipp Grubauer gehütete deutsche Tor. Mit diesem Ergebnis ging es dann auch in die erste Drittelpause.

Im zweiten Drittel wurde die kanadische Überlegenheit mit der Führung im Rücken dann noch einmal erheblich deutlicher. Goalie Grubauer musste die deutsche Mannschaft nun immer wieder mit starken Paraden im Spiel halten, und selbst während des ersten deutschen Powerplays waren es die Kanadier, die durch einen Direktschuss von Couturier die größte Torgelegenheit hatten (30.). Insgesamt feuerten die Ahornblätter im zweiten Abschnitt stolze 20 Torschüsse ab, während das deutsche Team den kanadischen Torhüter Calvin Pickard trotz zwei Überzahl-Möglichkeiten nur ein einziges Mal (!) prüfte - und das zwei Sekunden vor Drittelende aus der neutralen Zone in Person von Dennis Seidenberg. Der 35-jährige Verteidiger von den New York Islanders aus der NHL war es auch, der die einzige größere Torchance für die DEB-Auswahl im mittleren Abschnitt hatte: Seine Direktabnahme mit freier Schussbahn während des zweiten deutschen Powerplays ging jedoch knapp an Pickards Gehäuse vorbei (38.).

Und so war das positivste am zweiten Drittel für die deutsche Mannschaft letztlich, dass die Kanadier trotz ihrer eindeutigen Dominanz lediglich einen weiteren Treffer nachlegten: In der 39. Spielminute war es Jeff Skinner, der nach einem Schlenzer von der blauen Linie von Michael Matheson den Rebound mit der Rückhand zum 2:0 für den WM-Titelverteidiger in das deutsche Tor legte.

Zu Beginn des dritten Drittels war die deutsche Mannschaft dann wieder besser im Spiel und hatte sogar die ersten beiden guten Torgelegenheiten des Schlussabschnitts: Sowohl Christian Ehrhoff (45.) als auch nur eine Minute später Felix Schütz verfehlten das kanadische Tor aus jeweils aussichtsreicher Position allerdings. Nach diesen beiden deutschen Chancen kontrollierten die Kanadier die Begegnung zunächst wieder und hätten bei Couturiers Alleingang in Unterzahl (50.) auf 3:1 erhöhen können. Stattdessen jedoch machte Yannic Seidenberg die Partie knapp sieben Minuten vor dem Ende quasi aus dem Nichts doch noch einmal spannend: In Unterzahl schickte Ehrhoff den Allrounder vom deutschen Meister EHC Red Bull München mit einem langen Pass aus der eigenen Zone auf die Reise, und Seidenberg schloss den Alleingang ganz cool mit der Rückhand zum 1:2-Anschlusstor für Deutschland ab.

Nach dem deutschen Anschlusstreffer trieb das Kölner Publikum die DEB-Auswahl natürlich noch einmal frenetisch an. Zu wirklich zwingenden Torgelegenheiten kam die deutsche Mannschaft während den Schlussminuten allerdings nicht mehr und wurde stattdessen weiterhin von den Kanadiern vorrangig in der eigenen Zone beschäftigt. So blieb es letztlich beim insgesamt hochverdienten 2:1-Erfolg für Kanada.

Nach der Schlusssirene wurde dann wie bei WM-Spielen üblich noch der jeweils beste Spieler beider Mannschaften ausgezeichnet: Hierbei handelte es sich diesmal um Philipp Grubauer bei der deutschen Mannschaft sowie Mark Scheifele bei den Kanadiern. Als drei beste deutsche Spieler über den gesamten Turnierverlauf wurden zudem die Verteidiger Christian Ehrhoff und Dennis Seidenberg sowie Star-Angreifer Leon Draisaitl ausgezeichnet.

Stefan Wasmer



DAS SPIEL IN DER STATISTIK:

Deutschland - Kanada
1:2 (0:1, 0:1, 1:0)
Kader Deutschland:
Grubauer - Reul, Ehrhoff; D. Seidenberg, Mo. Müller; F. Hördler, Abeltshauser; J. Krueger - Y. Ehliz, L. Draisaitl, P. Reimer; D. Wolf, F. Tiffels, F. Schütz; M. Plachta, Hager, Macek; Y. Seidenberg, Kahun, M. Kink; Fauser;
Kader Kanada: Ca. Pickard - Vlasic, Parayko; de Haan, Jas. Demers; Matheson, Morrissey; C. Lee - J. Skinner, Scheifele, MacKinnon; R. O'Reilly, C. Giroux, Simmonds; Killorn, Se. Couturier, Duchene; Konecny, Point, Marner; B. Schenn;
Tor: 0:1 (18.) Scheifele (R. O'Reilly, Marner - PP1), 0:2 (39.) J. Skinner (Matheson, Scheifele), 1:2 (54.) Y. Seidenberg (Ehrhoff - SH1); Strafminuten: Deutschland 8 plus Disziplinarstrafe gegen D. Wolf, Kanada 8; Zuschauer: 16.653.


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