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Artikel vom Dienstag, 16. Mai 2017

Nun gegen Titelverteidiger Kanada

Deutsche Nationalmannschaft gewinnt packenden Krimi gegen Lettland im Penalty-Schießen und steht im WM-Viertelfinale

Pure Ekstase: Die deutschen Spieler feiern den Sieg im WM-Showdown gegen Lettland.
Foto: Hübner

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat es geschafft: Das Team von Bundestrainer Marco Sturm gewann am Dienstagabend das "Endspiel" um Tabellenplatz vier in der Gruppe A bei der Heim-Weltmeisterschaft in Köln gegen Lettland in dramatischer Manier mit 4:3 nach Penalty-Schießen und qualifizierte sich damit für das WM-Viertelfinale, in dem die DEB-Auswahl nun am Donnerstagabend ab 20.15 Uhr auf Titelverteidiger Kanada trifft. Zuvor erlebte das deutsche Team am Dienstagabend jedoch erst einmal einen echten Eishockey-Krimi.

Vor 18.797 Zuschauern in der selbstverständlich einmal mehr ausverkauften Kölner Lanxess Arena bestimmte die deutsche Mannschaft das erste Drittel eindeutig, wie auch das Schussverhältnis von 19:4 für die DEB-Auswahl nach 20 Minuten illustrierte. Auffällig dabei insbesondere der starke Auftritt von Nürnbergs Patrick Reimer, der im ersten Abschnitt gleich dreimal mit Direktschüssen für große Gefahr vor dem lettischen Tor sorgte (6., 16., 20.). Das deutsche Team konnte sein Chancenplus allerdings nicht in eine Führung nach dem ersten Abschnitt ummünzen - und hatte kurz vor Drittelende sogar großes Glück, dass nicht die in den ersten 20 Minuten offensiv nur wenig aktiven Letten das erste Tor erzielten: Janis Sprukts verfehlte das von NHL-Verstärkung Philipp Grubauer gehütete deutsche Tor in der 19. Spielminute nach einem Scheibenverlust des deutschen Teams in der eigenen Zone aus aussichtsreicher Position nur knapp.

Im zweiten Drittel verbrachten die Letten dann mehr Zeit in der deutschen Zone und gestalteten die Partie ausgeglichener als noch im ersten Abschnitt, doch die zwingenderen Torgelegenheiten hatte zunächst weiterhin die deutsche Mannschaft. Erneut Reimer (26.), Patrick Hager bei einem Unterzahl-Konter (29.) sowie Brooks Macek (31.) verpassten die 1:0-Führung jedoch noch knapp.

In der 32. Spielminute war es dann allerdings endlich so weit: Nach einem Direktschuss von der blauen Linie in Überzahl durch Christian Ehrhoff bewahrte David Wolf die Ruhe und legte den Abpraller überlegt mit der Rückhand zum 1:0 für Deutschland ins lettische Tor, wobei die Linesmen bei Ehrhoffs Schuss allerdings auf Abseits hätten entscheiden müssen. Und noch in derselben Minute konnte das deutsche Team auch schon nachlegen - dank eines schlimmen Patzers von Elvis Merzlikins: Nach einem eigentlich harmlosen Schuss von Marcus Kink spuckte der lettische Goalie vom HC Lugano aus der Schweizer NLA einen saftigen Rebound genau auf den Schläger von Dennis Seidenberg, der zum 2:0 für die DEB-Auswahl abstaubte.

Nach ihrem zweiten Treffer präsentierte sich die deutsche Mannschaft während dem Rest des zweiten Drittels jedoch etwas zu passiv. Grubauer konnte das lettische Anschlusstor zunächst noch in spektakulärer Manier mit dem Schläger gegen Kaspars Daugavins noch verhindern (33.), war sechs Minuten später bei einem verdeckten Schuss ins lange Eck von Gunars Skvorcovs allerdings ohne Abwehrchance - das in dieser Phase nicht unverdiente 1:2 der Letten, mit dem es dann auch in die zweite Drittelpause ging.

Im dritten Drittel hatte das deutsche Team eigentlich zu seinem Spiel zurückgefunden und schien die Partie wieder im Griff zu haben, als sich die Letten plötzlich mit einem ganz starken Wechsel in der deutschen Zone festspielten und Janis Sprukts den Puck schließlich mit Hilfe von ein wenig Scheibenglück zum 2:2 für Lettland über die Torlinie spitzelte (49.). Und knapp vier Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit führten die im dritten Abschnitt äußerst effizienten Letten dann plötzlich sogar und schienen auf Kurs Viertelfinale zu sein: Während eines Powerplays fälschte Andris Dzerins einen Schuss von der blauen Linie von Uvis Janis Balinskis zum 3:2 für Lettland ab.

Dann jedoch durfte auch die deutsche Mannschaft nochmal in Überzahl ran, Arturs Kulda musste wegen Spielverzögerung auf die Strafbank. Die Deutschen belagerten das lettische Tor nun natürlich nochmal und waren dann sogar zwei Feldspieler mehr, als Grubauer sein Gehäuse räumte. Das machte sich bezahlt: 33 Sekunden vor dem Ende der regulären 60 Minuten stocherte Felix Schütz den Puck im gefühlt siebten oder achten Nachschuss zum 3:3 ins lettische Tor und rettete das deutsche Team damit in die Verlängerung.

In dieser drehten dann plötzlich noch einmal die Letten auf, doch Grubauer glänzte nun mit einigen starken Paraden. Und so ging es - der Gipfel der Spannung - in das Penalty-Schießen, in dem dann ausgerechnet DEB-Youngster Frederik Tiffels zum Helden wurde, als einziger der insgesamt sechs Schützen traf und Deutschland damit ins Viertelfinale gegen Kanada brachte. Was folgte, war Ekstase pur in der begeisterten Lanxess Arena.

Stefan Wasmer



DAS SPIEL IN DER STATISTIK:


Deutschland - Lettland
4:3 n.P. (0:0, 2:1, 1:2, 0:0, 1:0)
Kader Deutschland:
Grubauer - Reul, Ehrhoff; D. Seidenberg, Mo. Müller; F. Hördler, Abeltshauser; J. Krueger - Y. Ehliz, L. Draisaitl, P. Reimer; D. Wolf, F. Tiffels, F. Schütz; M. Plachta, Hager, Macek; Y. Seidenberg, Kahun, M. Kink; Fauser;
Kader Lettland: Merzlikins - A. Kulda, Sotnieks; Galvins, Cibulskis; Balinskis, Freibergs; Bindulis - Ro. Bukarts, A. Dzerins, Daugavins; Ri. Bukarts, Sprukts, Indrasis; Kenins, Girgensons, Skvorcovs; Bicevskis, Blugers, Meija; Pavlovs;
Tore: 1:0 (32.) D. Wolf (Ehrhoff, P. Reimer - PP1), 2:0 (32.) D. Seidenberg (M. Kink, Mo. Müller), 2:1 (39.) Skvorcovs (Sotnieks), 2:2 (49.) Sprukts (Indrasis, Sotnieks), 2:3 (57.) A. Dzerins (Balinskis, Ro. Bukarts), 3:3 (60.) F. Schütz (L. Draisaitl - PP1 - EA), 4:3 (PS) F. Tiffels; Strafminuten: Deutschland 6, Lettland 8; Zuschauer: 18.797 (ausverkauft).


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