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Artikel vom Mittwoch, 17. Mai 2017

Tiffels, Grubauer und Schütz die Helden

Starker Goalie, drei „Spezis vom Doppelzimmer“ und ein Mülltonnen-Tor: Der Krimi zum Viertelfinaleinzug

Leon Draisaitl und Frederik Tiffels (rechts).
Foto: Huebner

Die deutsche Nationalmannschaft hat das viel titulierte Endspiel um den Einzug in das Viertelfinale bei der WM zu einem wahren Krimi gemacht. Erst 2:0 geführt, dann in der Schlussphase das 2:3 kassiert, 30 Sekunden vor dem Ende ausgeglichen und schließlich dank eines bärenstark haltenden Philipp Grubauer erst die Verlängerung überstanden und im Penalty-Schießen durch den Treffer von Frederik Tiffels gewonnen.

"Wer heute nicht begeistert war, dann weiß ich auch nicht", sagte Bundestrainer Marco Sturm. "Den Schwung wollen wir natürlich auch mit in die Zukunft nehmen. Egal, was jetzt passiert. Für jeden war dieses Spiel ein Genuss. Eishockey ist halt ein geiler Sport." Nun geht es ins Viertelfinale gegen die übermächtigen Kanadier, die in Gruppe B in Paris nur gegen die Schweiz verloren. Das Spiel findet am Donnerstag um 20.15 Uhr in Köln statt, die deutsche Mannschaft muss trotz Platz vier nach der Vorrunde nicht nach Paris, stattdessen reist Russland in die französische Hauptstadt und spielt dort gegen Tschechien.


Stimmen zum Spiel (7 Einträge)

      


Blendend war die Stimmung nach dem Spiel in der Arena, in den Katakomben und in der Kabine, wo das Team noch für ein Jubelfoto posierte. Die Spieler waren schon vorher nach dem Gang durch die Mixed Zone von den Volunteers einzeln mit der Laola begrüßt und beklatscht worden und strahlten über das ganze Gesicht. "Uns wäre es lieber gewesen, wenn es nicht so spannend gewesen wäre", sagte Patrick Hager. "Denn wir hatten genug Chancen im ersten Drittel." Das belegte das Schussverhältnis von 19:4. Allein Patrick Reimer hatte drei Großchancen.

Erst ein eigentlich irreguläres Tor von David Wolf brachte die Mannschaft in der 30. Minute in Führung. Denn beim Schuss von Christian Ehrhoff war der Puck schon über die blaue Linie gerutscht, was die Schiedsrichter nicht gesehen hatten. Bundestrainer Marco Sturm sprach sogar nach Betrachtung der Videobilder von "einem großen Stück". Beim 2:0 von Dennis Seidenberg half der lettische Goalie Elvis Merzlikins mit, der einen Schuss vorher abprallen ließ. Verdient war die Führung aber nach dem Spielverlauf allemal.

Bilder vom Spiel Deutschland gegen Lettland (26 Einträge)

      


Doch Lettland verkürzte erst, kam im Schlussdrittel zum Ausgleich und dann nach einer Strafzeit gegen Ehrhoff nach einem von Adris Dzerins abgefälschten Schuss zum 3:2. Das Spiel war gedreht, was sich vorher nicht abgezeichnet hatte. Nach einer erneuten Strafzeit, diesmal wegen Spielverzögerung gegen Arturs Kulda (der reklamierte, dass der Puck sich beim Fallen unter sein Trikot verfangen hatte) bot sich Deutschland noch eine letzte Chance und aus dem Gewühl heraus war es Felix Schütz der rund 30 Sekunden vor dem Ende den Puck über die Linie stocherte. "Ich habe mich bisher bisschen schwer getan mit dem Tore schießen", sagte Schütz danach. "Jetzt habe ich heute mal den Schläger in die Mülltonne gesteckt, um mal so ein "Garbage-Tor" zu erzielen. Das sollte ich vielleicht öfters machen."

Die Verlängerung gehörte dann den Letten - und Philipp Grubauer, der zahlreiche Glanzparaden zeigen musste, um sein Team ins Penalty-Schießen zu retten, wo er zweimal souverän parierte und einmal (gegen Roberts Burkarts) auf die Hilfe der Latte vertraute. Als letzter und einziger traf schließlich Youngster Frederik Tiffels. "Er hat sich von Woche zu Woche gesteigert" lobte der Bundestrainer. "Er macht seinen Job gut und ist mit seiner Schnelligkeit immer gefährlich." Für Tiffels selbst war es einfach "ein wunderschöner Moment."

Übrigens: Dass Sturm die drei Penalty-Schützen Dominik Kahun, Leon Draisaitl (beide trafen nicht) und Tiffels auswählte, hatte einen Grund. "Die drei sind Spezis, ich habe einfach so ein Gefühl gehabt", sagte Sturm. Gemeinsam spielten sie einst bei den Jungadlern Mannheim in einer Mannschaft. Mit einem Lachen schickte der Bundestrainer hinterher: "Die drei hängen eigentlich immer zusammen, die sind immer zu dritt auf einem Zimmer, auch wenn es eigentlich nur ein Doppelzimmer ist.

Michael Bauer


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