Seit mehr als 30 Jahren begleitet Marc Spector die Edmonton Oilers.
Foto: Ivo Jaschick
Die diesjährige Saison der Edmonton Oilers gleicht einer Achterbahnfahrt. Nach schwachem Saisonstart, in dem das Team um Leon Draisaitl deutlich hinter den eigenen Erwartungen zurückblieb, brachten sie sich durch zuletzt neun Siege in Folge wieder in die Erfolgsspur. Das Ziel bleibt gleich, die Fans der Oilers sehnen sich nach einem Titel. Der in Edmonton geborene Kolumnist Mark Spector von Sportsnet, der das Team seit über 30 Jahren begleitet. spricht im Interview über die goldene Ära der Oilers, den Wunsch an diese anzuknüpfen und das, was dem aktuellen Team dazu noch fehlt.
Herr Spector, Sie sind sogenannter „Beat Writer“ der Edmonton Oilers. Können Sie ihren Job ein wenig näher erklären?
Mark Spector: „Ich schreibe Kolumnen für die Website von „Sportsnet“ und arbeite nebenher für Fernsehen und Radio. Die Oilers verfolge ich seit 1990 und berichte seit dem jeden Tag über sie.“
Können Sie sich noch an die Ära der großen Namen wie Gretzky, Messier oder Fuhr erinnern? Was können Sie über diese Zeit erzählen?
Spector: „Ich bin in Edmonton aufgewachsen, war Student als die Oilers 1984 ihren ersten Stanley Cup gewannen. Ich war bei den Spielen mit meinen Freunden und auf den Paraden auf der Jasper Avenue. Ich bin mit den besten Offensivteams in der Geschichte dieses Sports groß geworden. Sie konnten alles: Tore erzielen, körperlich spielen und feiern. Fünf Cups in sieben Jahren, es war eine großartige Zeit.“
Erwarten sie nun eine ähnliche Ära der Oilers mit Connor McDavid und Leon Draisaitl?
Spector: „Ich hoffe es. Sie sind ein sehr gutes Team, ein Top-Team der NHL. Bis jetzt konnten sie nur noch keinen Cup gewinnen, das ist alles, was sie noch brauchen. Seit 1993 hat sich kein kanadisches Team mehr zum Champion krönen können, jemand muss es jetzt machen. McDavid und Draisaitl werden nicht zufrieden sein, wenn sie den Cup nicht holen. Bei allen persönlichen Auszeichnungen, die sie schon bekommen haben, am Ende zählt für sie trotzdem nur der Stanley Cup.“
Was genau fehlt dem Team, um in den Playoffs bestehen zu können?
Spector: „Mit dem Salary Cap ist es natürlich immer schwer ein Team zu bauen, weil du irgendwann kein Geld mehr hast. Jedes Team hat eine Schwäche. Woran liegt es also bei den Oilers? Manchmal vielleicht an der Torhüterposition, manchmal an der Verteidigung. Sie können viele Tore schießen, aber im Eishockey geht es um mehr als nur um die Offensive. Sie müssen die harten und engen Spiele gewinnen. Das ist das, woran sie arbeiten müssen.“
Für die Oilers vielleicht gerade in den Playoffs von Bedeutung, glauben sie an einen Heimvorteil in der NHL?
Spector: „Nein, glaube ich nicht. Natürlich hat man zu Hause den Vorteil des letzten Wechsels, kann also gezielt Spieler gegeneinander aufstellen. Ich glaube aber die Oilers sind auswärts mindestens genauso gut, wenn nicht sogar besser.“
Was können Sie über Leon Draisaitl sagen? Was ist er für ein Typ Mensch?
Spector: „Die besten Spieler sind sehr fokussiert aufs Gewinnen. Leon will um jeden Preis siegen, vielleicht mehr als jeder andere und er erwartet denselben Einsatz von seinen Mitspielern. Er ist ein sehr direkter Typ, er sagt was er denkt und das ist, was ich an ihm so mag.“
Interview: Ivo Jaschick