Bei fast allen PENNY-DEL-Clubs, wie hier in Berlin, ist der Zuschauerschnitt angewachsen. Dazu kommen als Rekord-Treiber zwei Sondereffekte.
Foto: City-Press
Das Hauptrunden-Finale steht am Freitag noch an, da zieht die PENNY DEL bereits freudig eine erste Bilanz. Im Zuschauerbereich spricht das deutsche Oberhaus von einem neuen Europarekord – gegenüber dem Vorjahrswert werde nach Hauptrundenende ein Zuwachs von acht Prozent auf 7.746 Fans pro Partie stehen. Damit bleibt die PENNY DEL vor der Schweizer National League, die wie die anderen bedeutenden europäischen Ligen ebenfalls Zuwäsche verzeichnet.
Als Gründe für das Wachstum in der PENNY DEL gibt Geschäftsführer Gernot Tripcke zum einen „Sondereffekte in München und Frankfurt“ an. Gemeint ist damit der neu eröffnete SAP Garden in München, dessen Kapazität mit 10.796 Plätzen deutlich größer ausfällt als die des alten Olympia-Eisstadions (5.533 Zuschauer). Gemeint ist andererseits auch das nicht alljährlich ausgetragene DEL Winter Game in Frankfurt: Die Partie der Löwen gegen die Adler Mannheim zog 45.110 Fans in den Deutsche Bank Park. München (plus 4.947 Fans pro Spiel) und Frankfurt (plus 1.504) erhöhten darum auch ihren Zuschauerschnitt am stärksten.
Allerdings nahm dieser bis auf in Wolfsburg und Straubing überall zu. Die Kölner Haie etwa, die den Europa-Clubrekord halten, verbessern sich vor dem Freitagsspiel im Spieltagsschnitt um 971 Besucher. Tripcke denkt, dass „Leute, die wir einmal zum Eishockey bringen auch gerne dableiben und infiziert werden mit dem positiven Virus. Ich glaube, das zeigt sich hier. Die Gruppe wird immer größer. Wir können auch die großen Stadien immer mehr füllen. Ob das Köln, Mannheim, Berlin ist – selbst Düsseldorf mit einer verkorksten Saison hat einen neuen Zuschauerrekord.“
Einen Abstieg der DEG in die DEL2, der ja nun droht, sähe Tripcke mit gemischten Gefühlen. Die DEG sei wie Augsburg, der andere noch verbleibende Abstiegskandidat, ein „Verfechter des Auf- und Abstiegsmodus“ gewesen. Für die Liga selbst wäre ein Verlust des Standorts mit den fünftmeisten Zuschauern und einem sehr großen Markt andererseits nachteilhaft. Tripcke sagt dazu: „Wir können es uns nicht aussuchen. Auch die Fußball-Bundesliga muss damit leben, dass fünf der sieben größten Fußball-Marken momentan in der Zweiten Liga spielen.“
Zurück zum Eishockey: Die guten Zuschauerzahlen machen sich auch im Umsatz und bei den Erlösen der Liga bemerkbar. Gleichzeitig hat Tripcke bei den Sponsoren der Clubs „keine großen Einschläge“ bemerkt, „gegen den Trend“. Der DEL-Geschäftsführer geht beim Liga-Umsatz, „das ist mein Bauchgefühl“, derzeit von einem Plus von fünf Prozent aus.
Auch Bewegtbildpartner Telekom meldet Rekordzahlen. Erstmals habe MagentaSport in einer Hauptrunde der PENNY DEL bereits die Marke von 20 Millionen Zuschauer durchbrochen. Stefan Thelen, Leiter Sport Content, spricht von einem Plus von elf Prozent. Das Wachstum im neunten gemeinsamen Jahr sei „außergewöhnlich“. Jeder Club habe mehr als zwei Millionen TV-Reichweite gehabt. Während bei den Clubs selbst das Wachstum wegen der Arena-Kapazitäten langsam an ihre Grenzen kommt, plant die Telekom über KI-unterstützte Inhaltsausspielung auch weiter auf steigender Kurve zu bleiben.
Martin Wimösterer